Revolution? Ja, bitte!

Andreas Buhr als Babyboomer und Gen-Yer Florian Feltes haben völlig unterschiedliche Vorstellungen von Führung – so ihre These. Dieser Gedanke war für die beiden Experten Grund genug, eine mehrjährige wissenschaftliche Studie über Old-School-Führung und New-Work-Leadership durchzuführen. An deren Ende stand nicht nur das Buch Revolution? Ja, bitte!, sondern auch so manche Auseinandersetzung der Autoren über die Ergebnisse. Einen Auszug eines dieser Gespräche aus dem Buch lesen Sie hier.

»Ihr kneift, wenn es drauf ankommt«

Streitgespräch zwischen Florian Feltes und Andreas Buhr über das Führungsverhalten der Generation Y und den Innovationsstau in mittelständischen Unternehmen.

Andreas: Also, Florian, nachdem ich die Ergebnisse der Studie gelesen hatte, war ich enttäuscht.

Florian: Oha, jetzt bin ich aber gespannt!

Andreas: Was da rausgekommen ist, ist echt lau. Du bist doch mit der These gestartet, dass deine Generation ganz anders führt. Für mich liest sich das aber so, als würden sie ein bisschen anders führen, ein bisschen kommunikativer, ein bisschen hierarchieloser. So wie eine lauwarme Dusche.

Florian: Für dich mag das lauwarm sein, für mich kocht da schon das Wasser! Nein, aber im Ernst: Ich war auch überrascht. Ich dachte, die Ergebnisse wären eindeutiger. Tatsache aber ist, dass die jungen Manager und Managerinnen zwar einen Trend in Richtung kommunikativer und hierarchieloser Führung zeigen und dass dies auch von den direkten Mitarbeitern in der qualitativen Befragung bestätigt wird, aber unterm Strich zeigt sich eher ein diffuses Bild, ein Mix aus verschiedenen Führungsstilen.

Andreas: Genau. Was mich dabei überrascht hat, war vor allem das Ergebnis der Onlinebefragung bei den Mitarbeitern. Die sagen: Mehrheitlich führen ihre Vorgesetzten aufgabenorientiert! Und wir wissen doch beide, dass der aufgabenorientierte Führungsstil derjenige ist, der am wenigsten kommunikativ ist. Wie passt denn das zusammen?

Florian: Das waren die Antworten der Mitarbeiter aus der quantitativen Befragung, nicht die, die in den qualitativen Interviews zu Wort kamen. Du vermischst hier gerade die qualitativen mit den quantitativen Ergebnissen …

Andreas: Okay. Aber immerhin hast du online fast 1500 Menschen befragt. Das ist schon eine ziemlich große Erhebungseinheit.

Florian: Ja, richtig. Die haben gesagt: Der aufgabenorientierte Führungsstil ist der, der am häufigsten praktiziert wird.

Andreas (mit Nachdruck): Und damit meinten sie alle Führungskräfte. Die haben nicht gesagt: Halt! Stopp! Für die Gen Y gilt das nicht. Die sind anders.

Florian: Nö, haben die nicht gesagt.

Andreas: Also, die sind gar nicht so anders, wie du immer behauptest!

Florian: Ich lese die Ergebnisse nicht so. Ich sehe: Es gibt einen Mix aus verschiedenen Führungsstilen, und zwar aus dem personenbezogenen, dem aufgabenorientierten, dem transaktionalen und dem transformationalen Führungsstil. Letzterer ist sozusagen der Oscar unter den Führungstechniken, weil er mit Visionen und Werten arbeitet und sehr kommunikativ ist.

Andreas: Nach deinen Schilderungen hätte ich erwartet, dass deine Generation ganz entschieden den transformationalen Führungsstil bevorzugt und alle begeistert klatschen. Wie bei der Oscarverleihung: And the winner is …

Florian: Moment, warte noch mit deiner Ironie. Die Gen Y führt überwiegend zielorientiert und aufgabenbezogen, also selten mit Visionen und Werten. Das ist aber häufig erst dann möglich, wenn sie im Topmanagement sitzt! Die Ergebnisse der qualitativen Studie, also der Erhebung, bei der ich Tiefeninterviews geführt habe, belegen: Es gibt einen Trend in Richtung mehr Kommunikation und weniger Hierarchie bei der Gen Y. Das bestätigen nicht nur die direkten Mitarbeiter, auch die älteren Führungskräfte sagen: Seit die Gen Y im Unternehmen ist, sind die Abläufe hierarchieloser und partizipativer, der Austausch ist ehrlicher. Willst du das jetzt kleinreden?

Andreas: Die Ergebnisse der quantitativen Onlinebefragung widersprechen dem aber. Dort sagen die Mitarbeiter: Sie werden im Wesentlichen aufgabenbezogen geführt, und zwar generationsunabhängig.

Florian (mit Nachdruck): Ja, aber wo sind die meisten Gen-Y-Leute zu finden? Im unteren und mittleren Management!

Andreas: Also, wir sind mit Ende zwanzig und wenig Berufserfahrung auch nicht direkt in den Vorstand gewählt worden. Wir haben auch klein angefangen, ich selbst komme von unten. Ganz unten!

Florian: Es geht nicht um Karriere. Ich will etwas anderes sagen: Im unteren und mittleren Management kannst du noch nicht so agieren, wie du gerne möchtest. Du kriegst Vorgaben, die du umsetzen musst. Zwischen wollen und können klafft da eine große Lücke. Erst im Topmanagement kannst du freier agieren. Es ist also kein Zufall, dass ich im Topmanagement häufiger den transformationalen Führungsstil vorgefunden habe – auch bei der Gen Y.

Andreas: Als meine Generation in die Unternehmen kam, konnten wir auch nicht alles so machen, wie wir es gerne gemacht hätten. So ist das nun mal. Man muss sich anpassen, schauen, was geht.

Florian: Anpassung scheint nicht das Problem zu sein. Das belegen die Ergebnisse der Studie doch gerade. Es hat mich sogar geschockt, in welchem Ausmaß meine Generation sich anpasst. Auch die Gen Y führt im unteren und mittleren Management überwiegend aufgabenorientiert, gerade weil sie sich anpasst, anpassen muss. In der Wissenschaft nennt man das Kaskadenverhalten. Die kriegen den aufgabenorientierten Führungsstil vorgelebt und imitieren ihn.

Die Autoren

Andreas Buhr, CSP, ist Unternehmer, Redner und Autor. Der erfolgreiche Unternehmer ist Gründer und CEO der Buhr & Team Akademie für Führung und Vertrieb AG mit Stammsitz in Düsseldorf, die europaweit mittelständische und große Unternehmen sowie internationale Konzerne in Führung und Vertrieb trainiert. Bekannt ist Andreas Buhr auch als internationaler Vortragsredner, als Trainer sowie als Herausgeber und Autor. Seit 2006 hat er mehr als 30 Bücher, Hörbücher und Anthologien zu den Themen Führung und Vertrieb geschrieben und produziert.

Dr. Florian Feltes hatte keine Lust mehr auf starre Strukturen und tauschte seinen Lehrerberuf gegen Leadership, Digitalisierung und Transformationsprozesse ein.
Ganz im Sinne der GenY fragt er immer nach dem Warum, so auch in seinen Workshops, Vorträgen und Forschungsprojekten zu Leadership- und Organisationsentwicklung. Aktuell arbeitet Florian an einem neuen spektakulären Projekt (tba soon!!!) und ist für die digitale Business School Hyper Island sowie die Cologne Business School tätig.