Jutta Heller: 30 Minuten Resilienz für Unternehmen

Die eingangs gestellten Fragen nehmen bereits vorweg, dass Unternehmen aus überwundenen Krisen gestärkt hervorgehen, lernen und sogar Innovationen freisetzen können. Jutta Heller warnt in 30 Minuten Resilienz für Unternehmen jedoch davor, sich auf solchen Erfolgen auszuruhen. Die nächste Krise kommt bestimmt und wird nicht so sein, wie die vergangenen! Um gefährliche Stillstände vorzubeugen, stellt die Resilienz-Expertin mit der ISO-Norm 22316 ein Tool vor, dass beim systematischen Aufbau einer unternehmensweiten Resilienz unterstützt und für mögliche Krisen wappnet. Lesen Sie im Folgenden einen Auszug.

Zwischen Antizipation und Anpassung

Ursprünglich wurde das Resilienzkonzept abgeleitet aus Erfolgsprinzipien von Organisationen, die immer mit Katastrophen rechnen müssen (Weick & Sutcliffe, 2010). Dies sind z. B. Feuerwehren, Flugzeugträger und Atomkraftwerke. Solche Hochzuverlässigkeitsorganisationen (HRO) arbeiten ständig unter Extremdruck und begegnen Unwägbarkeiten in einem komplexen, dynamischen Umfeld. Um die Widerstandsfähigkeit zu stärken, unterscheiden diese Organisationen zwei Phasen und orientieren sich an fünf Prinzipien.

Für die Antizipation einer Krise sind wichtig:

1. Konzentration auf Fehler

2. Abneigung gegen vereinfachende Interpretationen

3. Sensibilität für betriebliche Abläufe

Zur Eindämmung einer Krise sind wichtig:

4. Streben nach Flexibilität

5. Respekt vor fachlichem Wissen und Können

Erwartungen und Wahrnehmung

Wenn eine herumliegende Schraube als unbedeutend angesehen wird, so ist das eine Hypothese. Wenn solch eine Schraube jedoch auf dem Deck eines Flugzeugträgers durch die Sogwirkung in einen Jetmotor gerät und dieser explodiert, so ist die Erwartungshaltung „Das ist unbedeutend“ widerlegt. Auf Flugzeugträgern werden tatsächlich mehrmals täglich Rundgänge durchgeführt, um herumliegende Gegenstände zu finden.

Wenn wir uns einmal eine Meinung gebildet haben, dann suchen wir in der Regel nur nach Beweisen und Bestätigung unserer Erwartungshaltung. Andere Informationen nehmen wir dann meistens nicht mehr wahr. Dieser Neigung sind sich MitarbeiterInnen von Hochzuverlässigkeitsorganisationen bewusst und strengen sich an, möglichst wachsam zu bleiben und keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen.

Nach Weick & Sutcliffe brauchen wir „achtsame Praktiken, die die Fantasie beflügeln, Erwartungen erweitern, Skepsis gegenüber allen Erwartungen wecken, zu neuen Deutungen von kleineren Diskrepanzen befähigen und Lernprozesse erleichtern, die unsere Aufmerksamkeit verstärken und vertiefen“ (Weick & Sutcliffe, 2010, S. 32).

Die Förderung von Fantasiereichtum war auch eine Empfehlung der Untersuchungskommission nach dem 11.09.2001, damit man zukünftig bei der Krisenantizipation mehr als nur „Flugzeuge als Waffen“ bedenken kann. Auch Bauchgefühle sind wichtig. Sie geben uns ein Signal, dass irgendwo im Modell unserer Welt – konstruiert aus Erwartungen und Wahrnehmungen – ein Fehler steckt. Widerstehen Sie der Versuchung, über Ihre Intuition hinwegzugehen. In dem kurzen Zeitraum zwischen überraschtem Wahrnehmen und anschließendem Streben nach Normalisierung können Sie wichtige Informationen entdecken, die ggf. überlebenswichtig sind.

„Fail fast“ wird in manchen Unternehmen als Devise ausgegeben. Mit den Praktiken der Hochzuverlässigkeitsorganisationen wäre hier besser zu entgegnen: „Fail slow“. Abweichungen und Fehler sollten transparent gemacht werden, damit zusammenhängende betriebliche Abläufe genau analysiert werden können, sodass man aus Fehlern lernen und zukünftig ähnliche Krisen vermeiden kann.

Die Autorin

Jutta Hellers Ansatz beruht neben tiefen Kenntnissen des Themas auf eigenen biografischen Erfahrungen. Ihr Ansatz macht fit für Veränderungen, sowohl reaktiv als auch proaktiv, denn „dank unserer eigenen und eigentlichen Ressourcen ist alles Mögliche möglich.“ Bei zahlreichen Auftritten ist Jutta Hellers Resilienz-Ansatz bereits erfolgreich vermittelt worden. Jutta Heller kennt selbst viele Veränderungen – privat und beruflich. Sie sagt von sich: „In meinem früheren Leben habe ich vieles festgehalten und in Kauf genommen, um mich nicht zu verändern. Jedoch durch eine große Krise habe ich gelernt, dass alles möglich ist, wenn ich in einem guten Zustand bin.“ Dieser ressourcenorientierte Ansatz ist ihr wichtig für alle ihre Kundenprojekte.