Was bringt Design Thinking konkret?

Von Ingrid Gerstbach

Innovationsexpertin Ingrid Gerstbach legt nach ihrem Erfolgstitel Design Thinking im Unternehmen jetzt nach und verrät in dem umfassenden und praxisnahen Nachschlagewerk 77 Tools für Design Thinker ihre besten Insider-Tipps, mit denen jedes Unternehmen zur Ideenschmiede werden kann. Für unsere Newsletter-Leser stellt sie Anregungen aus ihrem ersten Buch und dem neuen Folgetitel vor:

Das industrielle Zeitalter bietet uns viele verschiedene Möglichkeiten, unter anderem, qualitativ hochwertige Produkte zu einem akzeptablen Preis anzubieten. Das hat zu dem geführt, was Horst Rittel »Wicked Problems«, auf Deutsch »vertrackte Probleme«, genannt hat: Probleme, die sozialer oder kultureller Natur sind und  entweder unvollständige oder widersprüchliche Erkenntnisse liefern, zahlreiche Menschen und Meinungen betreffen, eine große wirtschaftliche Belastung darstellen oder mit anderen Problemen verflochten sind – etwa Armut, Bildungsproblematiken oder Fehlernährung. Diese Probleme sind in der Regel an die politischen Entscheidungsträger ausgelagert, betreffen aber alle von uns. Die Welt ist voller vertrackter Probleme, aber auch die Unternehmen haben – infolge der Globalisierung – mit neuen Herausforderungen zu kämpfen. Die meisten kennen diese Liste bereits aus eigener, leidiger Erfahrung: schwierige Kunden, neue Märkte, Stakeholder mit verschiedenen Ansichten und Meinungen, regulatorische Bedingungen, Preiskämpfe, Konkurrenz, die wenig zu verlieren und viel zu gewinnen hat, etc. (…)

Die Welt der Unternehmen ändert sich

Grund für die neuen Herausforderungen, mit denen Unternehmen mehr und mehr zu kämpfen haben, ist sicherlich, dass Kunden sich emanzipiert haben und mehr Service für selbstverständlich halten. Die Transparenz, die durch das Internet geschaffen wurde, ermöglicht eine neue Präsenz, schafft aber andererseits auch Konkurrenz jenseits der Ländergrenzen.

Die Welt der Unternehmen ändert sich, und entsprechend müssen Unternehmen ihre Einstellung grundlegend ändern. Innovationen ohne Emotionen sind uninteressant, Produkte, die nicht ästhetisch sind, sind langweilig, und ein Unternehmen ohne ethisches Mindset ist untragbar. Kunden bestimmen die Produkte maßgeblich mit, Jobs sind inzwischen Statements und Ausdruck eines Lebensgefühls, die Konkurrenz kann nur noch schwer kontrolliert werden, weniger Features sind besser als mehr, Design bestimmt das Produkt, zu viel Werbung vergrault die Kunden, Demografie spielt keine Rolle mehr, Bedeutung zählt mehr als Geld, Empathie schlägt Logik. Die Herausforderung für Unternehmen liegt nun darin, schnell genug in diesem Wandel zu agieren. Das Managementmodell, das uns bis hierher gebracht hat, endet auch an dieser Stelle.

Mit Design Thinking durchstarten

Um erfolgreich zu sein, braucht es ein neues Modell. Design Thinking hat in meinen Augen das Zeug dazu, Managementmethoden wie Six Sigma vom Thron zu stoßen. Nicht nur im Marketing und in der Entwicklung, sondern auch in den Prozessen und in der Unternehmenskultur bringt Design Thinking neue Ansätze und ändert die Regeln. Design bewegt Innovationen, Innovationen kreieren Marken, Marken schaffen Loyalität, und Loyalität wiederum bringt den Profit. Sie sehen: Wenn Sie erfolgreich sein wollen, müssen Sie in Design investieren – nicht in Technologien. (aus Design Thinking im Unternehmen)

Besonders wichtig für gelungene Innovationen in jedem Unternehmen sind funktionierende Teams. Wie Sie diese zusammenstellen, verrät Ingrid Gerstbach in ihrem neuen Titel 77 Tools für Design Thinker:

Exkurs (…): Eine Rezeptur für ein interdisziplinäres Team

Man nehme ...

  • Eine überzeugende Vision

Teams sind innovativer, wenn sie ein gemeinsames Ziel haben und sich alle Mitglieder diesem Ziel auch verpflichten. Transparente Vorgaben schaffen einen gemeinsamen Sinn und sorgen für die notwendige Motivation bei den einzelnen Teammitgliedern.

  • Ziel­-Interdependenz

Eine Ziel­-Interdependenz ist der gemeinsame Weg, den es braucht, damit die Teammitglieder ihre Ziele erreichen. So wird das Ziel nur durch das gesamte Team, nicht durch die Kraft des Einzelnen erreicht. Im interdisziplinären Team sind Einzelspieler fehl am Platz. Die Mitglieder agieren so miteinander, dass ein Nutzen für alle entsteht. Je komplexer ein Problem, desto sinnvoller ist es, wenn das Team seine Fähigkeiten und Fertigkeiten miteinander teilt. Im Fokus steht das gemeinsame Lösen der Herausforderung.

  • Unterstützung innovativer Handlungen

Teams sind innovativer, wenn die Führungskräfte Innovationen nicht nur fördern, sondern die Mitarbeiter dabei aktiv unterstützen und anfeuern – selbst wenn erste Innovationsversuche nicht erfolgreich sind. Aus Angst vor Versagen und niederschmetternden Urteilen neigen Menschen dazu, schnell der erstbesten Idee zu folgen und diese umsetzen zu wollen. Umso größer ist die Enttäuschung, wenn die Idee sich dann als Sackgasse entpuppt. Setzen Sie daher lieber auf eine Reihe an Ideen. Darunter kann auch mal ein schlechter Einfall sein – das müssen Sie in Kauf nehmen. Das bedeutet auch, bewusst Risiken einzugehen und Fehler als Teil des Lernprozesses zu erwarten und vor allem zu akzeptieren. Doch es lohnt sich!

  • Eine gemeinsame Aufgabenorientierung

Aus einer gemeinsamen, übergeordneten Vision entsteht eine geschlossene Orientierung, die vom Kooperationsgedanken geprägt ist. Eine kollektive Ausrichtung auf eine Vision wiederum fördert und fordert von den einzelnen Mitgliedern hohe Leistungsstandards und regt sie dazu an, sich gegenseitig anzuspornen, zu überwachen und konstruktives Feedback zu geben.

Und erhalte ...

… Menschen, die zusammenhalten und einander Sinn geben. Zusammenhalt in dieser Konstellation bedeutet, dass die einzelnen Mitglieder sich engagiert für das Wohl aller einsetzen und ein jeder Teil des Ganzen ist.

Sicher: Ein gut funktionierendes Team zusammenzustellen und die Regeln für effektive Team-Arbeit zu beachten, bedeutet einen nicht unerheblichen Aufwand. Die Ergebnisse machen den Mehraufwand aber verschmerzbar. Eine Gruppe bietet viel mehr als nur ein gemeinsames Ziel vor Augen: Die einzelnen Personen finden in einer Gruppe Sicherheit und Zugehörigkeit. Jedes Teammitglied hat seine eigene Rolle, die er oder sie lebt und die ihn besonders macht. Dadurch ist es einfacher, sich innerhalb des Teams gegenseitig herauszufordern und offener und mutiger den Status quo in Frage zu stellen – und das wiederum ist die unabdingbare Voraussetzung für erfolgreiche Innovation.

Sie wollen weitere Tools für erfolgreiches Design Thinking kennenlernen? In Ingrid Gerstbachs neuem Werk 77 Tools für Design Thinker erfahren Sie, welches die wichtigsten Werkzeuge sind und wie Sie sie sofort benutzen.

Die Autorin

Ingrid Gerstbach ist Expertin für Design Thinking und Innovationsmanagement, Wirtschaftspsychologin und Unternehmensberaterin. Sie sieht sich als Entwicklungshelferin für Unternehmen, um Innovationen, neue Erfolgspotentiale und nachhaltige Wertschöpfung zu ermöglichen.