Christo Foerster: Dein bestes Ich

Der Zeitpunkt ist nie perfekt. Jetzt anfangen, lautet daher die Devise! Christo Foerster gibt dafür mit Dein bestes Ich tonnenweise Inspiration und seitenweise Erkenntnisse, die jeder ganz individuell für sich deuten kann. Mit Heldenreisen bekannter Persönlichkeiten und großformatigen Fotografien sorgt er für die nötige Motivation. Frei nach dem Motto: „Machen ist aufregend. Machen ist Abenteuer.“ Worauf also warten? Vor dem Start lesen Sie hier noch einen Auszug. 

Die Sache mit den Zielen

Wir wollen so viel und schaffen so wenig. Das ist eines der paradoxesten Phänomene unserer Zeit. Motiviert sind wir, auf vielen Ebenen, keine Frage, aber wir kriegen diese Motivation im Alltag nicht richtig umgesetzt. Es ist sicher kein Zufall, dass wir gleichzeitig zwar immer mehr wissen, aber trotzdem nicht glücklicher werden (wie es Umfragen immer wieder bestätigen).

Wissen und technologischer Fortschritt scheinen neben den vielen Annehmlichkeiten, die sie ja durchaus mit sich bringen, tatsächlich eine Art Umsetzungshemmer zu sein. Oder besser: Wir lassen uns von ihnen hemmen – in der Regel, ohne dass wir es überhaupt merken. Nur: Das darf keine Entschuldigung sein!

Entschuldigungen zu suchen, ist billig. Wenn du dich wirklich weiterentwickeln willst, brauchst du einen wertvolleren Ansatz.

Der Grund, warum wir so selten tun, was wir uns wünschen, ist nicht der Wahnsinn der Welt, die fehlende Zeit, der steigende Stress oder die große Verantwortung gegenüber anderen. Entscheidend ist, dass wir die Sache mit den Zielen komplett falsch angehen.

In den meisten Fällen sind es nämlich nicht unsere eigenen Ziele, die wir uns auf die Fahnen schreiben, und wenn doch, dann stehen sie oft unseren unbewussten Bedürfnissen entgegen. Die Folge: Wir finden ums Verrecken keinen Zugang zu unserem authentischen Selbst. Genau dort liegt aber unser volles Kraftpotenzial – unser bestes Ich.

In meinem Buch Neo Nature fordere ich, die Motivation über Ziele, wie wir sie über Jahre gelernt haben und wie sie auch heute noch ständig propagiert wird, komplett aufzugeben. Ich ermuntere dazu, mehr im Moment als in einer zielfixierten Zukunft zu leben. Ich tue das nicht, weil Ziele per se Quatsch sind, sondern weil manchmal nur ein radikaler Schnitt hilft, um ein neues Bewusstsein zu schaffen. Das brauchen wir nämlich, wenn wir wirklich etwas anders machen wollen.

In Wahrheit ist es so, dass Ziele in der Motivationspsychologie sehr wohl eine zentrale Rolle spielen. Sie werden dort allerdings auch sehr differenziert betrachtet. Mach dir mal den Spaß und blättere in einem Lehrbuch zur Motivationspsychologie – da verstehst du keinen Satz beim ersten Lesen, und das ist nicht übertrieben. Das Thema Ziele ist sehr komplex. Auch dann noch, wenn du all die schwindeligen Fachfremdwörter in echte Sprache übersetzt. Unser Alltagsumgang mit Zielen ist dagegen plump, kurzsichtig und hilflos. Es ist unser alles andere als zielführendes Verständnis von Zielen (das wir in den Kapiteln „Mehr Ich“ und „Deine Feuer“ noch detaillierter auseinandernehmen), welches dazu führt, dass wir nicht machen.

Und wer nicht macht, der verliert.

Macher zu sein, bedeutet nicht automatisch, Millionen zu machen. Ich weiß, so richtig reich zu sein ist eine charmante Vorstellung. Aber auch wenn es abgedroschen klingt: Millionen machen nicht zufrieden. Ich habe mit genügend Menschen gearbeitet, die zwar ein rappelvolles Bankkonto haben, aber völlig ratlos vor den simpelsten Herausforderungen des Alltags stehen. Ehrlich.

Geld verdienen zu wollen, ist aber auch nichts Böses. Es ist mehr als in Ordnung, viel Geld zu verdienen. Die interessanten Fragen dabei sind: Was ermöglicht dieses Geld? Und was tun wir, damit es zu uns kommt? Macher zu sein, bedeutet auch nicht, alles richtig zu machen. Macher zu sein, bedeutet, auszuprobieren und zu wirken.

Dein bestes Ich ist nicht dein perfektes Ich.  Dein bestes Ich macht das, was es kann, mit dem, was es hat, dort, wo es ist.

Der Autor

Christo Foerster ist Diplom-Sportwissenschaftler, systemischer Business-Coach und Vortragsredner. Er ist Gründer der Natural Coaching Academy, in der er Menschen lehrt, wie Körper und Geist zusammenwirken. Er trainierte in Äthiopien mit dem Langstreckenläufer Haile Gebrselassie, lernte von dem jamaikanischen Sprinter Usain Bolt und arbeitete mit dem französischen Fitnessphilosophen Erwan le Corre im brasilianischen Dschungel. Durch die Verbindung von sportlich-archaischer Bewegung und systemischem Coaching legt Christo Foerster enormes Potenzial zur Persönlichkeitsentwicklung frei. Bevor Christo Foerster 2011 die Natural Coaching Academy gru¨ndete, arbeitete er als Redakteur und Sportchef fu¨r die Zeitschrift Fit for Fun. Neben seiner Tätigkeit als Coach, Trainer und Speaker ist er heute außerdem Chefredakteur der Zeitschrift Men’s Fitness.